Stellen Sie sich vor: Es ist Uni und niemand geht hin

Studieren in Zeiten von Corona

Am 13. März 2020 wurden alle Studierenden der TU München in Weihenstephan darüber informiert, dass bis auf weiteres alle Prüfungen abgesagt sind. An der Studienfakultät Forstwissenschaften und Ressourcenmanagement waren über den Bachelor- und die beiden Masterstudiengänge hinweg fast 70 Prüfungen und somit auch fast alle Studierenden mehr oder weniger betroffen. Wenige Tage später waren die meisten TUM-MitarbeiterInnen im Homeoffice und auf dem gesamten Campus kehrte eine ungewohnte Ruhe ein. Die Hasen fanden offensichtlich Gefallen an der neuen Situation, konnte man sie tagsüber nun ganz entspannt über die Grünflächen zwischen den Forstgebäuden hoppeln sehen.

Noch drei Wochen vor dem Start der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2020 war unklar, ob es überhaupt ein „studierbares“ Semester geben würde. Dann kam im Sinne eines „Wir schaffen das!“ die Aufforderungen an alle, den Lehrbetrieb auf digitale Formate umzustellen, da unter den gegebenen Corona-Umständen Präsenzveranstaltungen in Hörsälen oder Seminarräumen auf absehbare Zeit nicht stattfinden werden können. Und tatsächlich: Pünktlich zum Semesterstart am 20. April waren die ersten Vorlesungen online über den extra beschafften „Panopto“ Server verfügbar.

Neue Begriffe wurden geprägt wie „asynchrone Lehre“ oder „wir zoomen jetzt“. Inzwischen (Ende Juni) sind neun von zehn geplanten Lehrveranstaltungen im digitalen Angebot, und zum Erstaunen aller vollzog sich der Wechsel von analog zu digital eigentlich sehr reibungslos und unspektakulär. So mancher Dozent oder Dozentin tat bei dieser Gelegenheit, was man sich schon lange vorgenommen hatte, und entrümpelte die Vorlesung und brachte damit frischen Wind in die Lehre. Das erklärt zumindest teilweise, dass der Aufwand bei den Dozierenden für die virtuellen Angebote TUM-weit mehr als dreimal so viel Zeit verschlang als zu normalen Zeiten.

Eine besondere organisatorische Hürde in der forstlichen Ausbildung stellen die Corona-Bestimmungen allerdings für die Feldübungen und Exkursionen dar. Zwar sind Freilandveranstaltungen grundsätzlich wieder möglich, doch die Zusatzhürden bei Unterbringung, Transporten, Verpflegung und Gruppenarbeiten erschweren bzw. verhindern teilweise die so wichtigen Reallabormodule. Wie man die Neuterminierung der ausgefallenen Prüfungen des Wintersemesters mit dem jetzt doch umfangreichen Lehrangebot des Sommersemesters in Einklang bringt, wird nochmals ein organisatorischer Kraftakt. Zumal immer noch die Abstands- und Hygieneregeln gelten. Das bedeutet zum Beispiel, dass in einem Hörsaal mit 200 Sitzplätzen nur noch 18 Personen sitzen dürfen.

Um Raum für Prüfungen zu schaffen, wurde inzwischen einer der Großparkplätze am Campus gesperrt, um ein großes (Fest-)Zelt als Prüfungsraum aufzubauen. Wäre natürlich schön, wenn man das Zelt dann später auch für die Semesterabschlusspartys nutzen dürfte, aber so weit denkt im Moment wohl niemand.

Klaus Richter, Studiendekan

Ralf Moshammer, Fachstudienberater Forst